Die Psychohistorie widmet sich der Untersuchung der unbewussten Wurzeln und Hintergründe von geschichtlichen Entwicklungen, gesellschaftlichen Institutionen, kulturellen Normen und politischen Entscheidungen.
Im Vergleich zu anderen Richtungen, die ebenfalls einen psychoanalytischen Blickwinkel auf Geschichte, Kultur und Politik richten (z.B. in der Tradition der Frankfurter Schule), ist die Psychohistorie in höherem Maße darauf ausgerichtet, die Fassade von rationaler Zweckmäßigkeit in Frage zu stellen, die das geschichtliche Handeln, politische Ziele oder wirtschaftliche Interessen dem oberflächlichen Betrachter meist darbieten. Aus dem durch Freud möglich gewordenen Verständnis des durchschlagenden Einflusses der Kindheitsschicksale auf die – oft sehr irrationalen – Verhaltensweisen und Einstellungen im Erwachsenenalter (auch auf gesellschaftlicher Ebene) ergibt sich so ein Forschungsschwerpunkt zur Kindheitsgeschichte bis hin zu Erfahrungen vor und während der Geburt, bei dem die vielfältigen Auswirkungen der historischen Evolution der Kindererziehung auf die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen deutlich werden.
Neben dem Schwerpunkt Kindheitsgeschichte befasst sich die Psychohistorie zu einem wesentlichen Teil mit politischer Psychologie, wie z.B. ein Blick auf die Inhaltsverzeichnisse der Jahrbücher für Psychohistorische Forschung zeigt. Psychohistorische Arbeiten zum aktuellen politischen Geschehen finden Sie unter dem Link Politische Psychologie aktuell.
Die Bemühungen zielen darauf, neue Chancen des tiefenpsychologisch reflektierenden Mitwirkens an der gesellschaftlichen Meinungs- und Willensbildung zu eröffnen – in der Hoffnung, der mächtigen Sogwirkung von Feindbildern, Zerstörung und Gewalt vorzubeugen, den Werten der Solidarität und Kooperation mehr Geltung zu verschaffen und damit unseren Fähigkeiten, kreative Lösungen für unsere Probleme und Konflikte zu finden, zur Entfaltung zu verhelfen.
Die Gesellschaft ist aus den jährlichen Tagungen einer lockeren Vereinigung von Psychohistorikern und an Psychohistorie Interessierten aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen hervorgegangen. Die Tagungen fanden ab 1987 mit Berlin beginnend in verschiedenen Städten statt (Berlin, München, Frankfurt, Heidelberg, Salzburg, Zürich, Hamburg). 1992 entstand bei der 6. Tagung in Berlin das Bedürfnis nach einer klareren Struktur durch eine Vereinsgründung.Die Gesellschaft hieß ursprünglich Deutsche Gesellschaft für Psychohistorische Forschung (DGPF) und wurde 2008 in Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie (GPPP) umbenannt. Sitz der Gesellschaft ist Heidelberg.
Letzte Änderung am: 25. Februar 2010 von A. Bischoff